6. szenische Arbeit
 

Wir haben aus der Entspannung heraus für innere und äußere Aufmerksamkeit gearbeitet, uns in Kontakt gebracht mit unseren Gefühlen und Wahrnehmungen. Mit Imaginären Monologen haben wir eine klare Technik erlernt. Jetzt sind wir bereit für eine Szene.

Unsere szenische Aufgabe ist folgende:

Dem Charakter, einem Psychiater ist gerade ein sehr, sehr peinliches Malheur passiert. Er hat den falschen Menschen, eine vollkommen gesunde Dame in die geschlossene Abteilung eingewiesen. Nicht nur das, er hat sie von zwei Pflegern einfangen und in einer Zwangsjacke einliefern lassen. Und jetzt muß er sein Verhalten dem Leiter der Anstalt erklären.

Unser Text ist: Ich weiß es gibt keine Entschuldigung, aber ich wollte das nicht. Ich war überzeugt davon, das Richtige zu tun. Ich weiß nicht, ich brauche sogar ihre Hilfe... ich verstehe wenn sie mich feuern, aber ich bin ein guter Psychologe, trotz dieses Vorfalls.

Das hat so wahrscheinlich kaum ein Schauspieler erlebt. Wie gehen wir die Szene an?

Drei Grundfragen helfen uns:

  • Was fühlt der Charakter in der Szene?
  • Was in meinem Leben löst bei mir solche Gefühle aus?
  • Wie kann ich diese Auslöser für mich real machen?

Unser Psychologe fühlt sich zutiefst alleingelassen und verzweifelt. Er kann kaum darüber reden, was ihm da passiert ist.

Und das genau gibt uns die Möglichkeit in unserem Leben eine Parallele zu finden. Wir suchen nicht nach einem Psychiater in uns, der einen Patienten in eine Zwangsjacke hat stecken lassen. Wir suchen eine Situation in der wir uns alleingelassen und verzweifelt gefühlt haben. Jeder hat das einmal erlebt. Vergeßt die Szene, allein und verzweifelt, das genügt uns.

Und unsere Technik ist ein Imaginärer Monolog, also wir reden zu einem vertrauten Menschen, so als ob er jetzt vor uns steht. Und wir reden darüber, wie und warum wir uns allein und verzweifelt fühlen und zwar so, als würde das Erlebnis aus unserer Vergangenheit jetzt gerade passieren. Selbst wenn wir damals zu niemand geredet haben, jetzt reden wir zu einem vertrauten Menschen aus unserem realen Leben darüber.

Und wenn das Gefühl sich etwas einstellt gehen wir in den Text über, ohne Unterschied zu vorher. Jetzt ist es wichtig nicht an die Szene zu denken, sondern unter dem Text zu dem Mensch aus unserem Leben zu reden. Wir erleben reale Emotionen und die erfüllen den Text mit realem Leben. Probiert es aus, aber bleibt mit all eurer Konzentration bei dem Menschen aus eurem Leben. Dann entsteht eine lebendige überzeugende Szene.

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