3. Wie fühle ich mich?

 

Dies ist die Basis unsere Arbeit.Die Grundübung schlechthin! Nur wenn ich lerne auszudrücken was ich fühle in jedem Moment, kann ich auf der Bühne lebendig sein. Es geht darum Menschen auf der Bühne oder vor der Kamera zu verkörpern. Und jeden Moment gehen einem Menschen unglaublich viele Gedanken durch den Kopf. Auch wenn ich das hier schreibe, ich nehme die Fernsehgeräusche im Nebenraum wahr, denke an meinen Hund, an ein Gespräch, das Wetter und trotzdem bin ich zu 95% konzentriert auf diesen Text, meine Webseite und diese Übung. Dustin Hoffman hat in einem Interview zu Outbreak darüber geredet, wie er mitten in der Szene in seiner Rolle als Arzt, trotzdem die blendenden Scheinwerfer, die Techniker wahrnimmt, an seine Frau und seine Kinder im privaten Leben denkt, und trotzdem sieht der Zuschauer den Arzt. Und zwar mehr als wenn diese Ablenkungen nicht da wären. Eben weil ein Mensch im Leben auch "denkt". tausend kleine Dinge wahrnimmt und doch bei der Sache ist. Die Dinge vor dem: und doch bei der Sache sein, die vergessen die meisten Schauspieler und spielen ein Konzept und keinen Menschen!
Es geht darum einen Zustand zu erreichen, in dem ich nicht mehr und nicht weniger ausdrücke, als das was ich fühle, von Moment zu Moment, jetzt und hier. Diesen Zustand nennen wir Being, Einfach Sein.
 

 

persönliche Erkundung (personal inventory)
Bewußtseinsstrom (stream of consciousness)
Alles was mir durch den Kopf geht laut verbalisieren: Wahrnehmungen Gedanken, und Gefühle. Immer versuchen auf den Moment aufzuspringen, nicht an kontinuierlichen Dingen festhalten, nicht ausformulieren, nicht zensieren! Statt dessen versuchen "sich gehen zu lassen", zuzulassen.

 

Wie fühle ich mich? (How do I feel?)
In den Bewußtseinsstrom immer wieder hineinfragen: wie fühle ich mich jetzt? Und spontan durch Worte, Stimme oder Gestik beantworten, ohne Überlegung. Ziel der Übung ist es Kontakt mit sich selbst zu bekommen, sich dem was von Moment zu Moment passiert auszuliefern. Wahrnehmen was sich in jedem Moment ändert und nicht mehr und nicht weniger auszudrücken als das was ich von Moment zu Moment fühle.
Beispiel: Ich sehe auf den Bildschirm. Denke nach, wie ich es erklären soll, höre meinen Dackel knurren und sich auf der Couch wälzen, Stimmen und Fernsehgeräusche im Wohnzimmer, gedämpft. Sehe die Tastatur, spüre meine Finger auf den Tasten, kühl. Schaue auf, bin verspannt im Kreuz, setze mich anders. Denke nach, ist das richtig? Wie fühle ich mich? Möchte schneller schreiben. Gedämpft, aufgehalten, genervt. Fernsehgeräusche. Knurren im Wohnzimmer. Höre die Stimme meiner Frau. Wie fühle ich mich? Warm, verlegen, sicher, irgendwie ruhiger. Lese den Satz. Denke an heute abend. Gedämpfte Jazzmusik, Klavier vom Fernseher im Nebenraum. Wie fühle ich mich jetzt? Belustigt. Froh. Der Text ist bald lang genug. ....
Immer wieder die Fragestellen: Wie fühle ich mich jetzt? Die kleinen Wechsel von Moment zu Moment aufspüren. Den Moment jagen! Being, Einfach Sein bedeutet von Moment zu Moment das spüren was ich fühle und nicht mehr und nicht weniger als das was ich fühle kreativ auszudrücken.
Die Übung sowohl laut praktizieren, (im Raum deutlich hörbar), als auch halblaut (nur für mich selbst hörbar, aber mit den Lippen formulieren, reines Denken gleitet oft ab), als auch mit Bühnenlautstärke (im jeweiligen Raum für Alle deutlich hörbar).
Bewußtseinsstrom und Wie fühle ich mich? sind Übungen, die uns vor der Kamera und auf der Bühne, während des Drehs und inmitten der Aufführung helfen real zu werden. Sinne aufwärmen und persönliche Erkundung sollte man sooft wie möglich täglich machen (etwa 10-20x täglich!, wörtlich gemeint). an jeder Bushaltestelle, in der U-Bahn, in Wartezimmern, beim Fernsehen etc....

 

Anfang der Seite

Start Entspannung Sinne Moment Hindernisse imaginäre Monologe Szene Homepage Kontakt